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Werkstoffmodellierung Hochtemperaturverhalten 
Aus der Metallphysik war bekannt, daß die Hochtemperaturplastizität
(ebenso wie bei Raumtemperatur) auf Versetzungsbewegung
beruht, daß aber bei hoen Temperaturen Diffussionsprozesse
hinzukommen, die für eine permanente Erholung der
verfestigten Versetzungsstruktur und damit für
fortgesetztes Kriechen sorgen. Auf dieser Vorstellung
beruhen eine Reihe konstitutiver Modelle (»unified
plasticity models«). Sie enthalten innere Variable,
die in einer nicht exakt definierbaren Weise die Versetzungsstruktur
repräsentieren.
Ältere Beschreibungsweisen für das primäre
und sekundäre Kriechen (z.B. Norton, Nadai, Garofalo)
stehen ebenfalls zur Verfügung.
Bruch bei hohen Temperaturen 
Bruch bei hohen Temperaturen erfolgt
höufig über die Bildung und das Zusammenwachsen
von Poren auf Korngrenzen. Aus der Analyse dieser Vorgänge
entwickelten Rodin und Parks ein konstitutives Modell
für das Kriechen im sekundären und tertiären
Bereich. Auch dieses Modell wurde am IWM verbessert
und in ABAQUS implementiert.
Verhalten unter zyklischer Belastung
In Metallen und Legierungen laufen unter zyklischer
Belastung zwei wesentliche Prozesse ab. Zum einen ändert
sich die Versetzungsstruktur, oft mit der Tendenz zu
einer relativ stabilen geordneten Zellstruktur. Makroskopisch
äußert sich das in Ver- und Entfestigung.
Zum anderen bilden sich meist an der Bauteiloberfläche
- Mikrorisse, die lange Zeit brauchen, um die ersten
Körner zu durchqueren und dann beschleunigt bis
zum Bruch wachsen. Das zyklische Verformungsverhalten
wird von einigen der schon genannten »unified
models« ansatzweise beschrieben.
In kommerziellen Codes stehen solche Modelle nicht
zur Verfügung, jedoch wurden viele von ihnen am
IWM in FE-Programme implementiert und auf praktische
Probleme angewandt. Das Wachstum der Mikrorisse, die
letztlich die Lebensdauer bestimmen, kann in begrenztem
Umfang durch die elastischlastische Bruchmechanik
(zyklisches J-Integral) beschrieben werden. Nicht erfasst
wird dadurch der Einfluß von einzelnen Korngrenzen
und anderen Gef?gemerkmalen auf das Mikrorisswachstum.
Auf dem Gebiet der Lebensdauervorhersage unter thermozyklischer
Belastung sehen wir noch gravierende Lücken. Das
führt z.B. dazu, daß Abgasanlagen
von PKWs weitgehend mit Hilfe teurer Bauteilversuche
ausgelegt werden.
Anisotrope Plastizität 
Anisotropes Verhalten von Werkstoffen kann mehrere
Ursachen haben. Am häufigsten ist die Textur der
Kornstruktur als Folge von Umformvorgängen. Einkristalline
Werkstoffe in der Mikrosystemtechnik oder die Einkristallschaufeln
moderner Gasturbinen sind per se anisotrop. Verbundwerkstoffe
können je nach Mikrostruktur ebenfalls stark anisotrop
sein.
Die klassische Beschreibung anisotroper Plastizität
stammt von Hill. Bei Hill ist das Fließpotential
eine quadratische Form der Spannungskomponenten. Dieses
Modell ist z.B. in ABAQUS bereits implementiert. Für
viele Zwecke reicht es aber nicht aus. So wird daran
gearbeitet, die Anisotropie infolge von Texturen aus
der Orientierungs-Verteilungsfunktion aufzubauen. Einkristalline
Schaufelwerkstoffe werden mit Modellen der Einkristallplastizität
beschrieben. Das IWM verfügt über ein solches
Modell, bei dem zusätzlich die Abgleitraten auf
den Gleitebenen wie in den »unified models«
von inneren Variablen abhängen können und
nichtisotherme Belastungen beschrieben werden können.
Das Modell wurde an eine Schaufellegierung angepasst.
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