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  KENNWERTE ERMITTELN
Kerbschlag-Biegeversuche, Charpy-Versuche

Seit mehr als einem Jahrhundert wird der Kerbschlag-Biegeversuch oder nach einem seiner Erfinder Charpy-Versuch in der Industrie als ein Abnahmeversuch zur Bestimmung der Schlagzähigkeit eines Materials eingesetzt. Die ursprüngliche Kenngröße ist dabei die beim Durchschlagen einer gekerbten Probe mit 80 mm2 Nettoquerschnitt verbrauchte Arbeit.

Trägt man diese Arbeit über der Prüftemperatur auf, so findet man bei vielen Stählen bei tiefen Temperaturen niedrige Werte, die in einem Übergangs Temperaturbereich mit der Temperatur steil ansteigen und in der „Zähigkeits- Hochlage" meist einen temperaturunabhängigen Sättigungswert erreichen.
Für die Sicherheit eines Bauteils ist es wichtig, dass die Betriebstemperatur immer ausreichend hoch ist. Das Auseinanderbrechen von amerikanischen LibertySchiffen bei Operationen im kalten Nordatlantik während des zweiten Weltkrieges konnte nachträglich mit der Nichtbeachtung dieser Bedingung erklärt werden. Mit der Entwicklung der modernen Finite Elemente Techniken und vor allem der Schädigungsmechanik wurde es möglich, wesentlich mehr Informationen über den
Werkstoff aus dem (instrumentiert durchgeführten) Charpy-Versuch zu gewinnen. So ist esbeispielsweise möglich geworden, aus der Simulation des Charpy-Versuchs (dynamische) Spannungs-Dehnungskurven sowie Schädigungsparameter für duktilen und spröden Bruch zu gewinnen. Daraus wiederum lassen sich Risswiderstandskurven und Bruchzähigkeitswerte abschätzen.
  

Das Bild zeigt aus einer solchen Studie den zeitlichen Verlauf der von Mises Vergleichsspannung während des Schlagvorgangs (linke Seite), zusammen mit der Entwicklung der vom Hammer auf die Probe ausgeübten Kraft im Vergleich zur gemessenen (rechte Seite). Es wurde ein Viertel der Probe modelliert, der Blick geht auf die Probenmittenebene und das (in der Realität nicht sichtbare) Ligament. In der Simulation wurde duktile Schädigung mit Hilfe des Gurson Modells berücksichtigt. Man erkennt zu Beginn der Simulation während des steilen überwiegend elastischen Kraftanstiegs in der Mitte des Ligaments einen Bereich mit sehr kleinen Spannungen (blaue Farbe). Gegen Ende des Schlagvorgangs verschwinden die Spannungen am Kerbgrund, denn es breitet sich ein Riss daumennagelförmig in das Probeninnere ausbreitet.

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